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Tour de France – durch die Luft von Oliver Seack

Mit einem Ultraleichtflugzeug war eigentlich für Juni 2020 eine Flugreise in die eindrucksvolle Fjord- und Gletscherlandschaft Norwegens geplant. Aber das Wetter machte mit Starkwind und Regen leider einen Strich durch die Rechnung. Die Großwetterlage war zweigeteilt. Über Nordeuropa waren wiederholt Tiefdruckgebiete unterwegs, nach Süden dominierte Hochdruckeinfluss. So erstreckt sich eine Hochdruckbrücke ausgehend vom Azorenhoch bis nach Mitteleuropa (Hoch Albrecht).

Die Wetterlage dieser Woche hier in Wetterkarten.

https://www.wetterzentrale.de/reanalysis.php?map=1&model=dwd&var=45&jaar=2020&maand=07&dag=21&uur=0000&h=0&tr=1440&nmaps=24#mapref

Das machte es möglich, Frankreich gegen den Uhrzeigersinn zu umrunden: Normandie, Bretagne, Dordogne, nördliches Zentralmassiv und zurück über das Rhonetal schien laut Vorhersage eine mögliche Route in schönem Wetter zu sein. Erst gegen Ende der Woche sollte es schlechtes Wetter geben. So wurden es wunderschöne fünf Flugtage bei schwachen Winden, Schäfchenwolken und das bei Temperaturen von 20-28 Grad.

Daten von OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL

Start am 21.6.2020 in Rotenburg, Mittagspause in Koblenz und weiter über das Moseltal durch Luxembourg nach Abbeville. Nach insgesamt 6:13 Stunden Flugzeit und 1185 km Flugstrecke war das Ziel abends auf dem Ultraleicht Fluggelände “Mont Saint Michel LF3553” erreicht. Diese nur 300m lange Piste lag nur 5 km Luftlinie vom Mont Saint Michel entfernt.
Es gab sogar für uns Zimmer direkt auf dem Klosterberg. Ein entspannter Abend bei einer schönen Abenddämmerung schloss den ersten Tag ab.

Am nächsten Morgen gab es einen herrlichen Blick: Der Klosterberg war bei gerade aufgehender Sonne zu sehen. An diesem zweiten Tag flogen wir nur relativ kurz entlang der Nordküste der Bretagne vom Mont Saint Michel auf die Insel Ouessant. Nach 1h 45 min allerschönsten Landschaftskinos landen wir bei für diese Insel schwachen Windverhältnissen von 15-20 km/h auf der 800 m langen Asphaltpiste des Flugplatzes von Ouessant. Unsere Glückssträhne hält offenbar an, wir erhalten noch Zimmer, die kurzfristig storniert wurden, die Meersfrüchte und das Bier schmecken vorzüglich und uns ging es wieder rundherum gut. Auf dem Weg zum Leuchtturm kommen wir auch an einem Schildermast vorbei, an dem lauter Wegweiser befestigt sind, an denen man die Entfernung zu allen größeren Hafenstädten der Erde ablesen kann. Der Wegweise für Hamburg gibt 1205 km Luftlinie an. Wir sind am westlichsten Punkt unserer Tour angekommen!

Am dritten Tag werden wir von einem grauen Himmel überrascht und es nieselt leicht. Also weiter in Richtung des Hochdruckgebietes nach Südost. In der Nähe des Flughafens „Brive Souillac“ befindet sich das mittelalterliche Dorf Martel, was wir uns ansehen möchten. Zwischenstopp zum Tanken in La Rochelle und wieder haben wir Glück und finden eine Unterkunft in einem Landgasthof. Das Dorf Martel beeindruckt durch seinen vollständig erhaltenen gebliebenen Kern aus dem Mittelalter und dem 16.-17. Jahrhundert. Man hat das Gefühl, man muss nur die Autos aus den engen Gassen schieben, ein paar Schilder und Stromkabel abschrauben und schon hätte man die perfekte Filmkulisse für einen Ritterfilm.

Am vierten Tag ist vor allem wichtig, die verbleibende Flugstrecke so zu planen, dass wir vor der Regenfront wieder in Rotenburg sind. Wir fliegen durch das Rhonetal und landen für einen kurzen Tankstopp und kleinen Imbiss auf dem Platz Montceau-les-Mines. Für die Übernachtung fliegen wir noch ein wenig weiter in Richtung Deutschland bis nach Nuits-Saint-Georges.

Der fünfte Tag ist Rückflugtag. Im Süden ist gutes Wetter. Wir fliegen südlich von Mannheim in den deutschen Luftraum ein und machen einen Zwischenstop zum Tanken und Essen in Michelstadt. Danach geht es zügig zum letzten Abschnitt. 1,5 Stunden bevor der Regen das Fliegen unmöglich macht, landen wir sicher in Rotenburg.

Hinter uns liegen insgesamt 3631 km Flugstrecke, verteilt auf fünf interessante und spannende Flugtage und 19 Flugstunden, mit vielen netten Begegnungen mit Menschen, die uns immer wieder geholfen haben an tolle Orte zu kommen. Wir sind prallvoll mit Eindrücken und Erlebnissen.

Unsere Entscheidung ins gute Wetter nach NW-Frankreich zu fliegen und die Route so herum zu wählen, dass wir “mit dem Wetter” fliegen war goldrichtig und hat uns den maximalen Flugspass in diesen fünf Tagen ermöglicht.